17:30 Sat.1 LIVE Hessen & Rheinland-Pfalz berichtet über die beiden Klavierwunderkinder Yad und Shad Barzinjy aus Darmstadt. Ein Bericht von Nina Seeh und Tabea Laier.
Egal ob Chopin, Mozart oder Beethoven – für Yad und Shad aus Darmstadt kein Problem, denn Musik ist ihre Muttersprache. Sie gelten als Wunderkinder am Klavier und sind damit wahrscheinlich auch die jüngsten Komponisten aus Hessen.
Wenn sie in die Tasten hauen, wird einem schon beim Zuschauen schwindelig. Die Brüder leben für das Klavierspiel und stellen die Musikwelt auf den Kopf. Sie spielen und interpretieren die Musik nicht nur, sondern sie lassen sie durch Improvisation im Moment entstehen. Eine große Hilfe ist da auch ihr absolutes Gehör.
Die Improvisation ist Yads große Stärke. Alles, was er dafür braucht – eine kleine Melodie. So entsteht eben mal so ein neues Stück, mit unterschiedlichen Rhythmen und Tonarten. Sein außergewöhnliches Talent bleibt nicht lange unentdeckt.
Seit er elf Jahre alt ist, studiert er als Jungstudent in der Young Academy an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt. Und das alles neben seiner normalen schulischen Laufbahn. Sein Antrieb – die Liebe zur Musik.
„Beim Improvisieren muss ich mich an keine Baukastenprinzipien halten. Stattdessen kann ich mich einfach auf die Intuition verlassen, dass ich auch nicht irgendetwas spiele, sondern, dass ich in dem Moment wirklich ganz genaue Ideen habe.“
– Yad Barzinjy
Sein jüngerer Bruder Shad ist erst dreizehn Jahre alt. Seine besondere Leidenschaft gilt der Komposition. Alles, was er für das Komponieren braucht, ist sein Tablet und eine erste Idee.
„Meistens ist es erst eine kleine Melodie, aber während dem Schreiben kommen immer weitere Ideen dazu und so entsteht ein fertiges Stück. Die Suche nach dem eigenen Stil ist ein lebenslanger Prozess. Da man sich weiterentwickelt, verändert sich der Stil auch immer.“
– Shad Barzinjy
Oliver Kolb ist Klavierdozent an der Akademie für Tonkunst in Darmstadt und hat die beiden Klavierwunderkinder vor sieben Jahren entdeckt und fördert ihr Talent noch heute.
„Bei den beiden war es sehr stark erkennbar, dass die Musik in sie hineinfloss und drin war. Also in einem Ausmaß, wie man es selten findet. Das ist ein bisschen auch so eine Göttergabe, sage ich mal. Das können nur ganz wenige.“
– Oliver Kolb, Klavierdozent an der Akademie für Tonkunst in Darmstadt
Eine besondere Leidenschaft der Brüder: die Arbeit mit kurdischen Liedern, die sie eigenständig für das Klavier neu arrangieren. Sie selbst haben einen kulturellen kurdischen Hintergrund und wollen die Melodien weiterverbreiten.
„Es gibt leider auch seit Jahrhunderten eine systematische Unterdrückung, dass man versucht diese Musik zu verbieten. Und da kommt noch einmal diese Ebene dazu, dass man auch dagegen ankämpft, dass man die Musik trotzdem verbreitet und, dass man damit auch ganz neue Werke formt.“
– Yad Barzinjy
Obwohl beide in ihrem jungen Alter schon viel erreicht haben, richten sie ihren Blick nach vorne und wollen unter anderem ein Buch schreiben und mit ihren selbstkomponierten Stücken viele Menschen mit ihrer Musik begeistern.
– Bericht: Nina Seeh / Tabea Laier
Danksagung
Wir möchten uns hiermit auch herzlich bei der Akademie für Tonkunst in Darmstadt bedanken, die uns bei den Dreharbeiten tatkräftig unterstützt und das Projekt maßgeblich ermöglicht hat. Unser Dank gebührt auch Herrn Oliver Kolb für seine Unterstützung und seine Beteiligung am Interview.